Das Programmkino im Prenzlauer Berg
Kastanienallee 77, Tel. 030 - 44 05 81 79

heute:


Di 25

18:30  Andres Veiel: Beuys (OmeU)
20:30  Dark Blood (OmU)

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Filmreihe

Werkschau Angelika Levi

25.5.–1.6.2016
in Anwesenheit der Filmemacherin und weiterer Gäste

Angelika Levi wurde 1961 in Bonn/Bad Godesberg geboren. Von 1986 bis 1992 studierte sie an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin. Im Westberlin der 80er Jahre, das von Hausbesetzungen, dem Kampf um schwul-/lesbische Lebensformen, vom Punk, Feminismus, New Wave und Drogen geprägt war, begann Levi als Filmemacherin aktiv zu werden. Das ästhetische Experiment jener Zeit, Filme ohne abgeschlossene Narration, zeigt sich auch in den Werken von Levi.

Ihre Filme wechseln zwischen der eigenen Identität und ihrer unmittelbaren Erfahrungswelt, um in einem breiten Fluss von Imaginationen zu münden. Die Bilder erlauben dem Betrachter, den Assoziationsketten frei zu folgen, um darin eine Art Methodik der Gesellschaftsanalyse zu erkennen.


Miete essen Seele auf
Der Kampf um das Recht auf Stadt

D 2016, 60 min, Konzeption und Montage: Angelika Levi, Co-Regie: Christoph Dreher, Kamera: Antje Schäfer, Musik: Ina Wudke aka T-ina Darling & Evan Franco mit dem Cottbusser Chor: Lucile Desamory, Yusuf Ergün, Fernanda Farah, Laura Mello, Nana von Possmann, Rico Repotente, Thomas Tichai und Michael Breitkopf, Fatma Cacmak, Dimitrios Christovasilis, Melanie Dyk, Tashy Endres, Hatice Erdal, Fatma Erdem, Ellen El Malki, Ulrike Hamann, Carola Handwerg, Alexander Sandy Kaltenborn u.v.a.

Der Film dokumentiert zwei Jahre nachbarschaftliche Organisierung und Protest am südlichen Kottbusser Tor. Der Film portraitiert bewegend die Akteure des Protestes. Er verknüpft die Wohnungsfrage mit der Geschichte der Migration und betont eine Verbindung von Rassismus und urbaner Verdrängung.

In der Nacht des 26. Mai 2012 zimmerten einige BewohnerInnen der Sozialwohnungen am Kottbusser Tor, mehrheitlich türkischstämmige NachbarInnen, aus Europaletten ein Protesthaus zusammen. Sie nannten es »Gecekondu«, aus dem Türkischen übersetzt heißt das: »Über Nacht erbaut«.

Mit dieser Besetzung eines öffentlichen Platzes im Zentrum von Kreuz- berg, begann die Mieterinitiative Kotti & Co einen bis heute täglich sichtbaren Widerstand, und holte das Thema des sozialen Wohnungsbaus und die massive Verdrängung von langjährigen BewohnerInnen aus der Innenstadt auf die politische Agenda.

Menschen mit sehr verschiedenen Biografien und politisch unterschiedlichen Ansichten begannen miteinander zu reden und ihre Geschichten zu teilen. Die Abgrenzungen und Vorurteile wichen einer positiven Verunsicherung, aus Nachbarschaft entstand Freundschaft.

Im Film spielt der Cottbusser Chor mit, ein radikal postideologischer Chor, arrangiert und musikalisch komponiert von Nicholas Bussmann. Er versteht sich in Tradition linker Laienchöre, doch die sonst hierarchische Struktur des Chors wird durchbrochen und eine musikalische Fährte gelegt, die das Thema des Films spiegelt: das Verhältnis von Kollektiv und Individuum.

Mi 25.05. 20:30 Uhr

im Rahmen der englisch-sprachigen Reihe »EXBlicks«,
in presence of the cinematographer Antje Schäfer and activists of Kotti & Co

Sa 28.05. 19:00 Uhr

in Anwesenheit der Filmemacherin Angelika Levi

Mo 30.05. 19:30 Uhr

in Anwesenheit der AktivistInnen von Kotti & Co und der Künstlerin Ina Wudtke

Mi 01.06. 19:30 Uhr

in Anwesenheit der AktivistInnen von Kotti & Co


Mein Leben Teil 2 (OmeU)

D 2003, 90 min, 35 mm, Buch/Regie/Schnitt: Angelika Levi

Der Film geht vom Archiv der Mutter der Filmemacherin aus, die ihre eigene Geschichte sammelte und archivierte.

»Anhand von Gegenständen, Fotos, Ton- und Filmaufnahmen erzähle ich, was in der Familie erzählt und auch nicht erzählt wurde. Der Film handelt von Traumatisierung und gleichzeitig davon, wie auf Makro- und Mikroebenen permanent Geschichte produziert, archiviert, in einen Diskurs gebracht und eingeordnet wird – und davon, wie ich selbst immer weiter sammelte, damit alles zusammen eine Erzählung ergibt.«

Sa 28.05. 20:00 Uhr

in Anwesenheit der Filmemacherin Angelika Levi


Szenenfoto: »Sex Party«

Kurzfilme

Das Kurzfilmprogramm enthält einige Super8- und 16mm-Filme, darunter »Sex Party« (1986/87) und »Auf gehts. Aber wohin?« mit Josje Pater, »Faust aufs Auge« (1988, zusammen mit Antje Schäfer, die in fast allen Filmen als Kamerafrau mitwirkte), basierend auf Modellen des Filmarchitekten Robert Herlth zu Murnaus Faust, und andere Filme.

Petje komt niet
Sex Party
Faust aufs Auge
Freunde
Auf gehts. Aber wohin?
Desirée und Polyepis

und

Lolero
(2010, Regie: Antje Schäfer, Schnitt: Angelika Levi)

So 29.05. 18:00 Uhr

in Anwesenheit der Filmemacherin Angelika Levi


Absent Present (OmU)

D 2010, 85 min, Regie: Angelika Levi

Benji wurde 1979 als kleines Kind aus Namibia in die DDR gebracht und 1990 nach der Wiedervereinigung dorthin zurückgeschickt. Levi lernte ihn 1991 dort kennen. Zwei Jahre später reiste er per Anhalter, als Tourist verkleidet, nach Europa zurück. Doch „in diesem Film gibt es keine Hauptdarsteller. Benji, der es hätte sein sollen, ist verschwunden“, heißt es zu Beginn des Films.

Auf ihrer Spurensuche verknüpft Levi assoziativ die Geschichte des Flüchtlings mit den Fluchtgeschichten derer, die sie unterwegs trifft. Die Reise führt von Deutschland nach Namibia, aufs spanische Festland und die Kanarischen Inseln, bis in den Senegal. Ohne eine geografische oder politische Landkarte zeichnen zu wollen, entsteht ein essayistischer Dokumentarfilm über verschiedene Formen des Reisens: Urlaub und Migration, gewollte und erzwungene Rückkehr.

So 29.05. 20:00 Uhr

in Anwesenheit der Filmemacherin Angelika Levi


Children of Srikandi – Anak-Anak Srikandi (OmeU)

D/Indonesien 2012, 74 min, Regie: Children of Srikandi Collective, produziert von Laura Coppens und Angelika Levi

Srikandi ist eine Figur des indischen Mahabharata, die ihre Geschlechts-Identität ändert, um als Frau gleichberechtigt unter Männern zu leben und zu kämpfen.

Sie ist das Leitbild für acht sehr persönliche Blicke auf lesbisches, bisexuelles und transidentisches Leben im islamisch geprägten Indonesien. Entstanden als kollektives Filmprojekt, vom persönlichen Essay bis zur radikalen, konzeptuellen Auseinandersetzung mit queerer Politik, ist es eine selbstbewusste Standortbestimmung, in der eine Generation von Frauen ihre Stimme findet.

Politik und Identität, die Suche nach Ersatzfamilien, die Angst vor Gewalt auch unter Lesben, die Ausgrenzung von Minderheiten und das selbstverordnete Schweigen sind ebenso Themen wie die bewusste Ablehnung von Labels für das eigene Leben und das persönliche Verhältnis zur Religion und zum Kopftuch.

Der Film greift lokale Erzählformen auf und zeigt, dass es in Indonesien auch einheimische Vorbilder für starke Frauen und alternative Geschlechtsidentitäten gibt. Ein javanisches Schattenspiel verbindet und verwebt die verschiedenen Geschichten der Charaktere miteinander, wodurch der Film über einen klassischen Episodenfilm hinausgeht.

Mo 30.05. 20:30 Uhr

in Anwesenheit der Filmemacherin Angelika Levi
und der Produzentin Laura Coppens (angefragt)