Das Programmkino im Prenzlauer Berg
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heute:



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Fr 24

keine Vorstellung 

Sa 25

15:45  I, Daniel Blake (OmU)
17:30  Toni Erdmann
20:30  Der junge Karl Marx
in Anwesenheit des Schriftstellers Raul Zelik
22:30  Somos Cuba (OmU)

So 26

19:00  Berlin – Filme der Stadt:
Vor der Hochzeit

in Anwesenheit der Regisseurin Antonia Lerch
20:30  Berlin – Filme der Stadt:
Nach der Hochzeit

in Anwesenheit der Regisseurin Antonia Lerch

Mo 27

17:30  I, Daniel Blake (OmU)
19:30  Der junge Karl Marx
in Anwesenheit der Politikerin Lucy Redler
22:00  Somos Cuba (OmU)

Di 28

17:15  Toni Erdmann
20:00  Der junge Karl Marx
in Anwesenheit des Philosophen Guillaume Paoli
22:15  I, Daniel Blake (OmU)


Fortsetzung folgt…

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EXBlicks Special

Radical Eye:
Miron Zownir in 10 Films (OmeU)

26.6.–5.7. 2016
in presence of Miron Zownir and guests

Miron Zownir gehört zu den radikalsten Fotografen der Gegenwart. Stanley Kubricks Drehbuchautor Terry Southern bezeichnete Miron Zownir als den Poeten der radikalen Fotografie. Es sind die Nachtseiten des menschlichen Daseins, die finstere Einsamkeit im sozialen »Unten«, die existenziellen Ausnahmezustände und Grenzsituationen der menschlichen Psyche, die Zownir ohne Sicherheitsabstand aufspürt und sichtbar macht.

Zownir ist aber nicht nur Fotograf, sondern auch Autor und Filmemacher. Geboren 1953 in Karlsruhe, lebte er ab 1976 in Berlin und ist 1981 in die USA gezogen. Dort verbrachte er 15 Jahre in New York, Los Angeles und Pittsburgh. Schon in den USA realisierte Zownir als Drehbuchautor und Regisseur acht Kurzfilme, u.a. in Zusammenarbeit mit Alexandre Rockwell als Kameramann, der einige Jahre später als Regisseur von »In the Soup« und »Four Rooms« bekannt wurde. Dem japanischen Autor und Regisseur von »Tokio Decadence« Ruy Murakami, lieferte Zownir mehrere Filmideen.

Mit seinem Anti-Rassismus-Kurzfilm »Auf offener Straße« (1993), der in zahlreichen Kinos im Vorprogramm gezeigt wurde, meldete sich Miron Zownir in seiner Heimat Deutschland zurück. Danach entstanden neben einem Dokumentarfilm über Bruno S. und einem abendfüllenden Spielfilm eine Reihe von kürzeren Filmarbeiten. Einen weiteren Kurzspielfilm drehte Zownir 2012 mit Birol Ünel. Seine jüngste Low Budget-Produktion »Back To Nothing« entstand erneut in Zusammenarbeit mit Kameramann Philip Koepsell. Die von rauer Melancholie durchtränkten Schwarzweißbilder des Teams Zownir/Koepsell lenken den Blick auf Schattenseiten Berlins, die man so noch nie sah: Eine groteske Vision der bewunderten deutschen Hauptstadt als Alptraumstadt.

Die Filme Miron Zownirs erzählen, wie sein fotografisches und literarisches Werk, von den existentiellen Abgründen des Lebens. Seine Protagonisten sind ausgestoßene, besiegte, entfremdete Außenseiter, die in einer morbiden, kaputten und zukunftslosen Stadt untergehen – Erniedrigte und Beleidigte im Ringen um einen Rest von Würde, Trost, Vergnügen und Hoffnung.

Webseite Miron Zownir: www.mironzownir.com


Back to Nothing (OmeU)

D 2015, 98 min, Buch & Regie: Miron Zownir, Kamera & Schnitt: Philip Koepsell, Soundtrack: King Khan, mit Birol Ünel, Timo Jacobs, Milton Welsh, Rummelsnuff, Aljkzindyr Narmer, Meret Becker, King Khan, Mark Philipps, Geno Lechner, David Scheller,Texas Terry Bomb, Hanin Elias u.v.a.

In seinem zweiten langen Spielfilm »Back to Nothing« zeigt der Fotograf, Autor und Filmemacher Miron Zownir in kompromisslosen Schwarzweißbildern eine albtraumhafte Schattenwelt ohne Hoffnung und Moral, die ihre Bewohner auf die niederste Ebene des Überlebens zwingt.

Kongo, ein am Leben zerbrochener Apokalyptiker, driftet einsam durch die Brachen der Stadt und verkündet Verderben, Ende und Untergang. Strasser kehrt auf der Suche nach einer neuen Bleibe zu seiner Frau Luna zurück, die im Drogenrausch alten Lebensträumen nachhängt. Der halbherzige Versuch einer Versöhnung endet im Fiasko. Strasser verliert den Verstand und beginnt, mit Leichenteilen zu handeln, die er als Schweinefleisch deklariert.

Sein bester Kunde ist Muckie, ein naiver Ex-Catcher, der in MMA-Fights ohne Limit um sein nacktes Überleben kämpft und unwissentlich seinen eigenen Zwillingsbruder verspeist. Die transsexuelle Prostituierte Jackie, von ihrem zynischen Zuhälter Bobby sitzengelassen, verliebt sich in Muckie und sucht seinen Schutz. Der umtriebige Bobby, ein krimineller Alleskönner, crackabhängig und gewissenlos, steigt derweil in Strassers Fleischhandel ein.

Zum Schrecken der Beteiligten geht Muckie, was die Umstände des Todes seines Zwillingsbruders anbelangt, langsam ein Licht auf. In einem Ablenkungsmanöver drängt Bobby ihn zu einem abgekarteten Preiskampf, der von Pontius, dem Anführer einer satanistischen Gang, organisiert wird. Muckies Gegner: Jackie.

Nichts läuft wie geplant, und das Spektakel endet in einem Blutbad. Ein desillusionierter Kripobeamter, der zuvor bereits Strasser auf die Schliche gekommen war, wird mit dem Fall beauftragt. Doch in einer Welt in der ein Menschenleben wertlos ist, zählen am Ende selbst die Gewinner und Überlebenden zu den Verlierern. Es ist Kongo, der todessüchtige Untergangsprophet, der das letzte Wort hat, obwohl ihm längst niemand mehr zuhört.

So 26.06. 20:30 Uhr

in presence of the filmmaker Miron Zownir

Mo 04.07. 20:00 Uhr

in presence of the filmmaker Miron Zownir and other guests

Di 05.07. 20:00 Uhr

with guests


Phantomanie (OmeU)

D 2010, 85 min, Buch & Regie: Miron Zownir, Kamera & Schnitt: Philip Koepsell, Soundtrack: Alec Empire, mit Bruno S., Vivien Bullert, George Nickel, Geno Lechner, Hans- Michael Rehberg, Natalia Avelon u. v. a.

Seine Darstellung des Kaspar Hauser in Werner Herzogs Film »Jeder für sich und Gott gegen alle« (1975) machte Bruno S. zur Kultfigur. In »Phantomanie« kehrt der Straßenmusikant und Maler kurz vor seinem Tod erstmals seit Jahrzehnten wieder als Schauspieler auf die Leinwand zurück.

Bruno, der sich hoch über den Dächern der Stadt in der Ruine einer verlassenen Abhörstation eingerichtet hat, ist der letzte Freund, den Aufschneider Larry noch hat. Denn was immer Larry angeht, geht schief: Er schuldet den falschen Leuten Geld und ist auf der Flucht vor einem ominösen Pfaffen, der die Bibel allzu wörtlich nimmt. Auch an der häuslichen Front droht Ãrger. Seine Freundin Lilli ist enttäuscht von ihrer fruchtlosen Beziehung und nervt mit ihren Wunschwahnvorstellungen. Bruno sieht die Katastrophe kommen, kann sie aber nicht verhindern.

Zwischen eigensinniger Komik und sarkastischer Übersteigerung zeigt der deutsch-ukrainische Filmemacher, Fotograf und Autor Miron Zownir in »Phantomanie« das Leben als »eine mit falschen Versprechungen zusammengeflickte Wunde«…

Zownir lässt den Absurditäten freien Lauf, schert sich dabei nicht um die goldenen Regeln der Dramaturgie, und verschont die Zuschauer mit Sympathieträgern. Der kongeniale Soundtrack für seine bizarre Geschichte über Selbstentfremdung, Verlorenheit und vorgeformte Gedankenwelten wurde von Alec Empire komponiert und produziert.

Mi 29.06. 20:00 Uhr

in presence of the filmmaker Miron Zownir


Short Film Program (OmeU)
(Gesamtlänge: 69 min)

Szenenfoto: »Freier Fall«

Absturz (OmeU)
D 2012, 19 min, Buch & Regie: Miron Zownir, Kamera & Schnitt: Philip Koepsell, Soundtrack: King Khan, mit Birol Ünel, Milton Welsh, Rummelsnuff, Timo Jacobs, Natalia Avelon, Philipp Virus, Peter Wawerzinek, Gloria Viagra, Aljkzidnyr Narmer, King Khan u.a.
Ein ehemals gefeierter Schauspieler hat seine besseren Zeiten längst hinter sich. Dem Alkohol verfallen und berauscht wie Bacchus, enttäuscht er in einem Berliner Nachtclub seine letzten Fans mit einer lausigen Lesung…
Nur sein Agent will den Absturz seines Megastars nicht wahrhaben. Es kommt zum Eklat mit dem Barmanager und seinem Türsteher Eddie…

Valuev vs. Violence
D 2006, 3 min, Idee & Regie: Miron Zownir
Offenherzig und eindringlich äußert sich der russische Schwergewichtsboxer Nikolai Valuev, in dem Anti-Gewalt Spot »Valuev vs. Violoence« über die zunehmende Gewaltbereitschaft von Jugendlichen, über Aggressionen, Ursachen und die Notwendigkeit durch einen offenen Dialog Brücken zu bauen.
Die Schwierigkeiten des Erwachsenwerdens kennt Nikolai Valuev aus eigener Erfahrung, denn schon als Kind war der 2,14 m große »Riese« ein Außenseiter.
Der Spot ist in Berlin, während der Trainingsphase zur Vorbereitung seines Weltmeisterschaftskampfes gegen Owen Beck entstanden. Die Musik dafür wurde von Alexander Hacke (Einstürzende Neubauten) komponiert.

Endpunkt
Kurzfilm, 4 min, Sprecher: Birol Ünel, Musik: FM Einheit
Bilder Zownirs in einer Slide-Show, vertont mit einer Kurzgeschichte.

Freier Fall
Musikvideo, D 2010, 4 min, Regie: Miron Zownir
Der Berliner Bodybuilder, Musiker und Sänger Rummelsnuff ist einer der schrägsten Musik-Acts in Deutschland.
Roger Baptists, dessen musikalische Laufbahn Ende der 80er Jahre in Underground-Bands wie »Freunde der italienischen Oper« und »Automatic Noir« begann, überraschte 2008 die Musikszene als Käpt’n Rummelsnuff mit seinem Debüt-Album »Halt durch«. Im Frühjahr 2010 folgte Rummelsnuffs zweites Album »Sender Karlshorst«.
Das Musikvideo für den darauf enthaltenen Titel »Freier Fall« wurde unter der Regie von Miron Zownir bei minus 17° C in Berlin gedreht. Kein Grund für Rummelsnuff, nicht in der Spree abzutauchen…

Auf offener Straße
D 1993, 2 min, Buch & Regie: Miron Zownir
Zownir erster, in Deutschland gedrehter, preisgekrönter Anti-Rassismus-Spot enthüllt Hilflosigkeit, Unwissenheit und Vorurteile auf beißende Art und Weise…

Jetzt oder nie (OmeU)
D 1996, 14 min, Buch & Regie: Miron Zownir, Soundtrack: Alexander Hacke, Meret Becker, mit Dirk Rademacher, Pitt Hartmann, Harry Hass, Hannes Demming, Willi Thomczyk u. a.
Während eines chaotischen Raubüberfalls auf ein Kino wird Elvis, einer der drei Gangster, mit einem Bauchschuss zurückgelassen. Zwischen seinen aufbrausenden Komplizen Siggi und Pudding entspinnt sich ein egoistischer und verlogener Kampf um Macht und Geld…
Eine zynischen Gangsterballade, die im Rahmen des deutsch/holländischen Projekts »dialoog cultuur – NL in NRW« von der Filmwerkstatt Münster realisiert worden ist.

Dead End (engl. OV)
USA 1992, 24 min, Buch & Regie: Miron Zownir, Kamera/Schnitt: Lance Weiler / Reiner Clabbers
Kurzspielfilm über eine Gruppe von jungen Punks in Pittsburgh, USA. Lethargische Langeweile löst bizarre sexuelle Fantasien und einen alptraumhaften Tod auf der Straße aus…

Mo 27.06. 19:30 Uhr

in presence of the filmmaker Miron Zownir


Zownir – Radical Man (OmeU)

Dokumentarfilm, D 2006, 60 min, Buch & Regie: M.A. Littler, Kamera: Philip Koepsell

Das filmische Portrait eines der meist zensierten Fotografen, Filmemachern und Kriminalautoren unserer Zeit. Zownir erreichte Kultstatus durch seine Fotografien, Filme und Kriminalromane, allesamt Portraits von Kriminellen, sexuellen Outlaws und sozialen Außenseitern in Berlin, London, New York und der ehemaligen Sowjetunion. Seine Portraits sind hart, brutal, gelegentlich pornografisch, jedoch auch voller Würde und Magie. Anders, als die meisten Extremfotografen portraitiert Zownir nicht nur Außenseiter, er lebt in ihrer Mitte. Dadurch erreichen seine Arbeiten eine Intimität und Direktheit, die viele andere Fotografen vermissen lassen.

Thematisch befasst sich der Film mit Zownirs Kindheit in Nachkriegsdeutschland, dem Aufstieg der Punkbewegung in London und Berlin in den späten 70er Jahren, dem Aufblühen und Sterben der sexuellen Revolution in New York in den frühen 80ern, dem sozialen Verfall der ehemaligen Sowjetunion, sowie Zownirs tragischkomischen Erzählungen über Outlaws und Outsider jeglicher Art. Der Film enthält ausführliche Interviews mit Zownir, Szenen aus seinen Filmen, Lesungen aus seinem Roman “Kein Schlichter Abgang” sowie Montagen seiner Fotos. Wie die meisten Fotos Zownirs wurde der Film in kontrastreichem schwarz- weiß gedreht unter Verwendung der 25p und HD Technologie sowie Super 8 Umkehrfilm. Die Reduziertheit und Direktheit des Films, erlauben dem Zuschauer einen ungestörten und intimen Einblick in Zownirs Leben und Arbeit ohne jegliche technische Effekthascherei.Giant Mat’s archaischer und minimalistischer Wasteland Blues unterstützt die apokalyptische Grundatmosphäre Zownirs Arbeit. »Zownir – Radical Man« ist kein einfacher, sich dem Zuschauer anbiedernder Film, er ist hart und brutal, jedoch auch voller Einfühlung, Melancholie und Magie.

Littler bündelt die Grundmotive dieses ästhetischen Pitbulls: Einzelgänger, Autodidakt, Nihilist, Chronist der Punkbewegung in Berlin und London in den späten 70er Jahren, des Aufblühens und Sterbens der sexuellen Revolution in New York in den frühen 80er Jahren und des sozialen Verfalls der ehemaligen SU. Freaks, Zerstörte und Selbstzerstörer auf der Suche nach Kicks, Sex und Rausch sind seine Protagonisten. Geknebelt im Existenzkampf am Rande der Gesellschaft. Zownir kennt dieses Leben auf der hauchdünnen Linie zwischen Zwangsjacke und Handschellen.

Di 28.06. 20:00 Uhr

in presence of the director M.A. Littler


EXBlicks – A film & Chat Series
Berlin flicks and the people who made them in a real Kiez Kino