Das Programmkino im Prenzlauer Berg
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Christoph Schlingensief Geburtstags-Special

Samstag, 24.10., ab 20:00 Uhr
Schlingensief in »The African Twintowers«

Christoph Schlingensief, am 24. Oktober 1960 in Oberhausen geboren, mischte sich mit Filmen, Kunstinstallationen, Ausstellungen und Aktionen über zwei Jahrzehnte unbeirrt in den kulturellen und politischen Diskurs ein. Seine Themen kreisten beständig um die Frage nach Gott, der Erlösung und dem Sinn aller Kunst. Er realisierte viel beachtete Theater- und Operninszenierungen.
Am 21. August 2010 ist Christoph Schlingensief viel zu früh gestorben.


20:00 Uhr

Terror 2000
Intensivstation Deutschland / Deutschland außer Kontrolle

D 1993, 75 min, Regie: Christoph Schlingensief, Buch: Christoph Schlingensief, Oskar Roehler, Uli Hanisch, mit Peter Kern, Margit Carstensen, Alfred Edel, Udo Kier, Susanne Bredehöft, FSK: ab 18 Jahren

»Terror 2000« beschließt die Deutschland-Trilogie (»100 Jahre Adolf Hitler«, »Das deutsche Kettensägenmassaker«).
So wie sich Schlingensiefs vorangegangene Filme selten auf einen Verhandlungsgegenstand und eine Geschmacklosigkeit beschränkt haben, ist auch »Terror 2000« mehr ein Sammelbecken spontaner Eindrücke aus dem Deutschland der Kohl-Ära, oder wie Helmut Schödel in der Süddeutschen Zeitung feststellt, eine »Chronik des deutschen Wahns«.

In Anlehnung an das Gladbecker Geiseldrama geht es um zwei flüchtige Gangster, die in einer ostdeutschen Kleinstadt Asylanten peinigen, hofiert von einer sensationsgeilen Medienschar und verfolgt von zwei erfolglosen Kriminalbeamten. Westdeutsche Neonazis und eine Wunderheilerin tauchen auf und versuchen ebenso wie Lokalpolitiker, ihren Nutzen aus den Übergriffen zu ziehen.


22:00 Uhr

Via Intolleranza II

Theater-Verfilmung, 2010

Hat das Wort Intoleranz auf dem afrikanischen Kontinent überhaupt eine Bedeutung? Oder handelt es sich, wenn wir dieses Thema in eine deutsch-afrikanische Zusammenarbeit bringen, wieder um eines unserer humanistischen Steckenpferde, mit dem wir von unserer eigenen Intoleranz ablenken und unser ethnozentristisches Denken legitimieren?

Aber auch diese Rede von unserer eigenen Intoleranz gegenüber anderen greift wahrscheinlich zu kurz. Weil das Hauptproblem die Intoleranz gegenüber uns selbst sein könnte, dass wir uns selbst gegenüber lebenslänglich intolerant sind. Dass wir uns zugunsten von Konventionen und Klischees als singuläre Lebewesen verabschiedet haben. Und dass dieser Singularitätsanspruch selbst auch zutiefst fragwürdig ist. Dass wir in einer heillosen Verstrickung aus Spektakel und Rationalisierung existieren, dass unsere Existenz jeden festen Boden verloren hat. Warum wollen wir ständig dem afrikanischen Kontinent helfen, obwohl wir uns selber nicht helfen können? Was kann das Ziel einer Zusammenarbeit sein, wenn sie ohne jegliche Hilfsideologie und Sentimentalität auskommen muss?


24:00 Uhr

U3000

MTV-Fernseh-Serie aus dem Jahr 2000

Aus einer regulären U-Bahn der Linie 7, Britz-Süd nach Berlin-Spandau, zeigt Schlingensief, die hässliche Fratze der Spaßgesellschaft.

In der achtteiligen Sendung U3000, ausgestrahlt vom Musiksender MTV, übernimmt Schlingensief die Rolle des Moderatoren, der sich für seine als telegene Selbstlosigkeit getarnte Selbstliebe selbst hasst. Gängige Sendeformate werden ausnahmslos, kreuz und quer durchexerziert.

Eine sozial bedürftige Familie kann sich über den Gewinn der immergleichen Außenwette für die Teilnahme qualifizieren, um in der fahrenden U-Bahn vor laufender Kamera und im Beisein von Fahrgästen ihr Privatschicksal öffentlich zu machen. Kindliche Spielrunden geben ihr die Möglichkeit, die Sozialhilfe aufzubessern, kritisch beäugt von einer Jury, der die behinderten Darsteller aus Schlingensiefs Ensemble angehören.