Das Programmkino im Prenzlauer Berg
Kastanienallee 77, Tel. 030 - 44 05 81 79

heute:


Di 20

20:15  Futur Drei (OmeU)
22:00  Oeconomia

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Fr 23

keine Vorstellung 

Sa 24

Christoph Schlingensief zum 60. Geburtstag
18:00  Bye Bye und weitere Kurzfilme
Kurzfilm-Premiere
19:15  Eine Kirche der Angst vor dem Fremden in mir
+ Vorfilm:
Duisburg Fluxus 16 mm / Über die Entstehung der Filme
21:45  Menu Total


Mo 26

18:00  Oeconomia
20:00  Regeln am Band, bei hoher Geschwindigkeit
in Anwesenheit der Regisseurin Yulia Lokshina

Di 27

19:30  kurz gesehen:
Emeka Okereke:
I Wonder As I Wander: On Akinbode Akinbiyi

in Anwesenheit des Filmemachers Emeka Okereke
21:15  Berlin Alexanderplatz (OmeU)

Mi 28

18:15  Oeconomia
20:00  Im Stillen laut
in Anwesenheit der Regisseurin Therese Koppe


Fr 30

keine Vorstellung 




Di 03

20:00  Deckname Jenny
in Anwesenheit des Filmteams

Mi 04

20:00  Regeln am Band, bei hoher Geschwindigkeit
in Anwesenheit der Regisseurin Yulia Lokshina

Do 05

18:00  Futur Drei (OmeU)
19:45  Berlin Alexanderplatz (OmeU)

Fortsetzung folgt…

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Christoph Schlingensief Geburtstags-Special

Samstag, 24.10., ab 15:30 Uhr
mit Gästen

© Ingo Pertramer

Zu seinem 60. Geburtstag feiern wir Christoph Schlingensief und sein künstlerisches Werk den ganzen Tag!

Christoph Schlingensief wurde am 24. Oktober 1960 in Oberhausen geboren. Mit Filmen wie »Das deutsche Kettensägenmassaker« und »Terror 2000«, Kunstinstallationen, Ausstellungen und aktionistischen Projekten, u. a. der Container-Aktion »Bitte liebt Österreich!« und der Parteigründung »Chance 2000« mischte er sich über zwei Jahrzehnte unbeirrt in den kulturellen und politischen Diskurs ein. Seine Themen kreisten beständig um die Frage nach Gott, der Erlösung und dem Sinn aller Kunst. Er realisierte vielbeachtete Theater- und Opern-Inszenierungen, z.B. an der Volksbühne, dem Wiener Burgtheater und dem Schauspielhaus Zürich. Höhepunkte waren von 2004–2007 Wagners »Parsifal« in Bayreuth und 2007 »Der fliegende Holländer« in der legendären Oper von Manaus. Große Aufmerksamkeit erfuhr auch sein 2009 erschienenes Krebs-Tagebuch »So schön wie hier kann’s im Himmel gar nicht sein!«. Zu seinen letzten Vorhaben gehörte die Einrichtung des Deutschen Pavillons der Biennale in Venedig 2011, für den er posthum mit dem Goldenen Löwen ausgezeichnet wurde. Am 21. August 2010 ist Christoph Schlingensief viel zu früh gestorben.


15:30 Uhr

Schlingensief – In das Schweigen hineinschreien (OmeU)

Dokumentarfilm, D 2020, 125 min, Regie: Bettina Böhler, mit Christoph Schlingensief, Margit Carstensen, Irm Hermann, Volker Spengler, Alfred Edel, Udo Kier, Sophie Rois, Bernhard Schütz, Kerstin Grassmann, Helge Schneider, Dietrich Kuhlbrodt, Susanne Bredehöft, Tilda Swinton, Artur Albrecht, Achim von Paczenzky, Helga Stöwhase, Sebastian Rudolph und viele andere, Musik: Helge Schneider

© Weltkino Filmverleih GmbH

Mit seinen »Heimatfilmen«, seinen Aktionen und Interventionen in Theater, Fernsehen, Oper und Kunst hat der Regisseur Christoph Schlingensief über zwei Jahrzehnte den kulturellen und politischen Diskurs in Deutschland mitgeprägt. Die renommierte Filmeditorin Bettina Böhler unternimmt in ihrem virtuos montierten und ungemein unterhaltsamen Regiedebüt den Versuch, den Ausnahmekünstler in seiner ganzen Bandbreite zu zeigen.

Im Fokus steht der »Familienmensch« (Schlingensief über Schlingensief), der in seinen Arbeiten gleichermaßen das Verhältnis zu den Eltern in Oberhausen und das Verhältnis zu Deutschland thematisiert. Der Film durchlebt die ganze Entwicklung Schlingensiefs: vom quasi pubertierenden Filmemacher im Kunstblutrausch, über den Bühnenrevoluzzer von Berlin und Bayreuth bis hin zum Bestsellerautor, der kurz vor seinem Tod die Einladung erhält, den Deutschen Pavillon in Venedig zu gestalten. Dabei überträgt sich die ungebändigte Energie des Proträtierten unwillkürlich auf die Zuschauer. In seinem zweifachen Jubiläumsjahr ist es an der Zeit, Christoph Schlingensief endlich (wieder) zu entdecken.


18:00 Uhr

Bye Bye und weitere Kurzfilme

© Filmgalerie 451

Mein 1. Film
D 1968, 7 min, Regie: Christoph Schlingensief
Christoph Schlingensiefs erster Film.
»Mein 1. Film« besteht aus zwei kurzen Arbeiten, die Christoph Schlingensief 1968 mit gerade einmal 8 Jahren auf 8mm Film drehte.


Die Schulklasse
D 1969, 11 min, Regie: Christoph Schlingensief
Christoph Schlingensiefs kurzes Lehrstück über die Schule. Eine echte Rarität für alle Schlingensief-Fans! »Die Schulklasse« ist der erste Super 8 Film von Christoph Schlingensief.


Für Elise
D 1982, 2 min, Buch, Regie & Schnitt: Christoph Schlingensief
Christoph Schlingensief, 22, zur Lage der Nation.
Ein Trompetenspieler (Christoph Schlingensief) steht mitten in der Kleinstadt Much im Schnee und spielt die deutsche Nationalhymne – zwar mehr schlecht als recht, aber mit großer Überzeugung. Ungeachtet dessen geht das Leben um ihn herum weiter.


My Wife in 5
D 1985, 14 min, Regie: Christoph Schlingensief
Zwischen Broadway Nummer, Klassik und Operette – Kino kam dem guten alten Mixtape nie so nahe!
Der Musik-Film »My Wife in 5« entstand im Rahmen eines Tonseminars von Christoph Schlingensief mit Studenten der Hochschule für Gestaltung Offenbach. Er enthält bereits alle Formen filmischer Mittel und Verfremdungen, die er später in seinen Theater- und Opern-Inszenierungen einsetzte.


Kurzfilm-Premiere:
Bye Bye
D 1985, 6 min, Regie: Christoph Schlingensief
Zum Abschied von der HfG Offenbach funktioniert Schlingensief mit seinen Studenten einen Projektor zu einer Kamera um.


Say Goodbye to the Story (ATT 1/11)
D 2011, 23 min, Regie, Kamera & Schnitt: Christoph Schlingensief, mit Katharina Schlothauer, Stefan Kolosko, Robert Stadlober, Irm Hermann, Björn Thors
Ein Albtraumniederschlag: Gestrichene Szenen eines Films, der allein aus gestrichenen Szenen besteht. Ihr wahrhaftigster Moment ist eine Traumsequenz, in der sich rauschhaft alle Qual der ersten Sequenz auflöst, um im Spuk einer dritten Sequenz zu landen. Nichts ist fertig, nicht einmal die Zwischentitel. Alles ist im Werden. Oder Vergehen. Schlingensief verzweifelt an seinen Darstellern, die vor seiner Kamera, also im Weg stehen. Er flucht, er tanzt durchs Bild, er wiederholt und wiederholt. Er wischt das Objektiv, auf der Suche nach dem Moment zwischen den Bildern.
Ein Not-Making of, das uns mehr über den Tod einer Geschichte erzählt als eine Geschichte über den Tod einer Geschichte es könnte. »Say Goodbye to the Story« ist deswegen so perfekt, weil ein Film, wie wir ihn kennen, ein einziger Fehler gewesen wäre.


19:15 Uhr

Eine Kirche der Angst vor dem Fremden in mir

© Aino Laberenz

Ruhrtriennale 2008, Aufzeichnung vom 28. 9. 2008, 91 min, Regie: Christoph Schlingensief, mit Margit Carstensen, Angela Winkler, Mira Partecke, Komi Mizrajim Togbonou, Stefan Kolosko, Karin Witt, Horst Gelloneck, Kerstin Grassmann, Norbert Müller, Achim von Paczensky, Klaus Beyer

»Wer seine Wunde zeigt, wird geheilt.«

In seinem Fluxus-Oratorium » Eine Kirche der Angst vor dem Fremden in mir« widmet sich Schlingensief zum ersten Mal seiner im gleichen Jahr diagnostizierten Krebserkrankung. Angst ist der Fels, auf dem Schlingensief seine Kirche baut. Darin forscht er, Messdiener a.D., nicht nur nach seinem Verhältnis zu Gott, sondern vor allem nach seinem Verhältnis zu sich selbst. So beginnt eine Reise ins Ich. Transzendenz und Transparenz auf Kollisionskurs: Der Kirchenraum ist dem seiner Heimatgemeinde Herz Jesu in Oberhausen nachempfunden. Er entwirft Bilder, Bekenntnisse und Litaneien, die dem Eindringling nachspüren und sich der Angst vor dem Tod annähern.

Vorfilm:
Duisburg Fluxus 16mm / Über die Entstehung der Filme
D 2018, 36 min, Regie: Heta Multanen


21:45 Uhr

Menu Total

© Filmgalerie 451

D 1986, 81 min, Buch, Regie & Kamera: Christoph Schlingensief, mit Helge Schneider, Volker Bertzky, Alfred Edel, Dietrich Kuhlbrodt, Reinald Schnell, Anna Fechter, Joe Bausch, Annette Bleckmann, Thirza Bruncken, Wolfgang Schulte

Helge Schneider, der auch die Musik zum Film gemacht hat, in einem widerlichen Film. Auf der Berlinale 1986 ausgepfiffen. Wim Wenders ging nach 10 Minuten. Alfred Edel kotzt sich durch den ganzen Film. Schlingensief zieht Bilanz: »Mein bester Film!«

Ausgelassenes Treiben auf der Picknickwiese in Mülheim a. d. Ruhr. Die Eltern haben ihre alten Naziuniformen wieder rausgekramt. Da macht die Polonaise noch mehr Spaß. Die Mama gibt das Startzeichen für eine außergewöhnliche militärische Vorführung. Sohn Joe wird aus dem Schlaf gerissen. Aber wird er verstehen, was sie mit ihm vorhaben? Wird er sich dem brutalen Kampf der Systeme widersetzen können? Klappt der Austausch von Sperma? Wird Joe das rohe menschliche Gehirn essen? Joe scheint verloren. Sein Weg führt in einen verlassenen Schacht der Zeche Rosendelle, wo sich ein Versuchslabor befindet. Während draußen noch die Schritte der Eltern verhallen, verweigert Joe die Nahrungsaufnahme, wird operiert und kann trotzdem fliehen. Die Sache gerät in Bewegung…


23:30 Uhr

100 Jahre Adolf Hitler

© Filmgalerie 451

D 1989, 55 min, Buch & Regie: Christoph Schlingensief, mit Margit Carstensen, Volker Spengler, Alfred Edel, Udo Kier, Dietrich Kuhlbrodt, Andreas Kunze, Brigitte Kausch-Kuhlbrodt, Marie-Lou Sellem, Asia Verdi

Ein Licht, ein Tag, ein Führer. Fünf Männer, vier Frauen, von einem Handscheinwerfer aus dem Dunkel herausgezerrt. Wir sehen die letzte Stunde im Führerbunker, so wie sie wirklich war.

In knapp 16 Stunden an einem Stück gedreht, in einem Bunker aus dem Zweiten Weltkrieg, zeigt »100 Jahre Adolf Hitler« Inzest und Intrigen, Getöse und Krawall – die letzte Stunde im Führerbunker, so wie sie wirklich war.

»100 Jahre Adolf Hitler« ist Schlingensiefs bis dorthin wichtigster und meist beachteter Film. Er bringt ihm seitens seiner Fürsprecher den Ruf ein, »der letzte deutsche Heimatfilmer« (Georg Seeßlen) zu sein, der mittels Brüskierung Aufruhr entfacht, um Harmonie und schließlich Heimat zu finden. Mit der Hitlerfigur, die von nun an häufig in seine Arbeit »einmarschiert«, legt Schlingensief die Hand – sprich die Kamera, die Handkamera – in die offenste aller deutschen Wunden. Hier ist Hitler keine vergangene Personalkatastrophe, sondern die Fratze des absurden Menschen an sich, der sich als elternlos, als höheres Wesen begreift, dessen völlige Monstrosität jedoch nicht in die Anstalt, sondern an die Macht führt und drauflos wütet.

»100 Jahre Adolf Hitler« ist der erste Teil von Schlingensiefs »Deutschland Trilogie«, gefolgt von »Das Deutsche Kettensägenmassaker« (1990) und »Terror 2000« (1992).


Tickets: Sonderpreis 9 €
Ein Teil der Einnahmen geht an das Schlingensief-Projekt in Burkina Faso, Operndorf Afrika.

mit freundlicher Unterstützung von Filmgalerie 451