Das Programmkino im Prenzlauer Berg
Kastanienallee 77, Tel. 030 - 44 05 81 79

heute:


Di 30

18:15  Toubab
20:00  Kurz.Film.Tour –
Der Deutsche Kurzfilmpreis:

Programm III

in Anwesenheit der Regisseurin Veneta Androva (»From my Desert«) und des Produzenten Guillaume Cailleau (»A Demonstration«)
22:00  Pankow ’95

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Fr 03

keine Vorstellung 

Sa 04

18:00  Harald Naegeli – Der Sprayer von Zürich
in Anwesenheit der Regisseurin Nathalie David
20:15  Toubab
22:00  Borga (OmeU)


Fortsetzung folgt…

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Dokumentarfilm

Harald Naegeli – Der Sprayer von Zürich

D 2021, 97 min, Buch und Regie: Nathalie David, Montage: Nathalie David und Andrew Bird, mit den Stimmen von Andrina Bollinger und Stefan Kurt, Musik: Andrina Bollinger und Sophie Hunger

© missingFILMs

Die Regisseurin Nathalie David zeigt in ihrem feinfühligen Portrait Harald Naegelis facettenreiche Persönlichkeit – als visionären, streitbaren Künstler, Rebellen, Philosophen und scharfsinnigen, humorvollen Menschen, der mit seiner Kunst seit jeher die einen empörte und die anderen erfreute. Der Film ist Naegelis Testament und eine Hommage an den Utopisten.


Seit 1977 zeichnet ein Mann, Sohn der Zürcher Grossbourgeoisie, nachts auf die kargen Betonmauern seiner Stadt und wird deswegen regelmäßig angezeigt. Er revoltiert gegen das saubere, spießige und reiche Zürich. Gegen Umweltverschmutzung, Chemiekonzerne, Kreuzfahrtschiffe, Massentierhaltung. 1979 wird er ertappt. Der Mann heisst Harald Oskar Naegeli. Er ist 39 Jahre alt.

Seit 1977 zeichnet ein Mann, Sohn der Zürcher Großbourgeoisie, nachts auf die kargen Betonmauern seiner Stadt und wird deswegen regelmäßig angezeigt. Er revoltiert gegen das saubere, spießige und reiche Zürich. Gegen Umweltverschmutzung, Chemiekonzerne, Kreuzfahrtschiffe, Massentierhaltung. 1979 wird er ertappt. Der Mann heißt Harald Oskar Naegeli. Er ist 39 Jahre alt.

1982 flieht er ins Asyl nach Düsseldorf. Hier unterstützen ihn Künstler und Politiker wie Joseph Beuys und Willy Brandt. 1984 stellt er sich freiwillig der Schweizer Justiz. Ein Prozess, vier Monate Hochsicherheitstrakt in Winterthur, zwei Monate offener Vollzug und Geldstrafen sind die Folge.

Er lebt und arbeitet fortan zwischen Zürich und Düsseldorf, verlegt jedoch 2019 seinen Lebensmittelpunkt wieder ganz nach Zürich, nicht ohne zuvor in Düsseldorf erneut vor Gericht zu stehen. Auf Düsseldorfer Wänden hinterlässt er Flamingos und Striche der Utopie. Sein seit Jahrzehnten gehegter Traum steht kurz vor der Vollendung: ein »Totentanz« in den beiden Türmen des Zürcher Großmünsters. Jedoch greift das Bauamt ein und streitet mit ihm um ein paar Zentimeter. Das Kunstwerk bleibt unvollendet.

Der Corona-Totentanz beginnt weltweit um sich zu greifen. Naegeli, nunmehr 82 Jahre alt, geht wieder auf die Straße, er selbst kämpft gegen Krebs. Der Totentanz ist auch sein eigener und der der Politik. Die Stadt Zürich verleiht ihm 2020 den Großen Kunstpreis für sein Lebenswerk, während der Kanton ihn verklagt. Naegeli, der Urvater der Graffiti-Kunst, polarisiert bis heute.

Abstrakt, utopisch und frei sind seine Arbeiten. Naegeli selbst genauso. Er wird sich von dieser Welt verabschieden, wenn er soweit ist. Nicht verblassen, wie seine Arbeiten, aktiv Schluss machen.

Der Film zeichnet den Werdegang eines vielseitigen, amüsanten Menschen nach, dessen Schaffen weit über die Street Art hinausgeht. Sein künstlerischer Ansatz sowie seine politisch-philosophischen Positionen sind höchstaktuell und anregend. Der Film ist Naegelis Testament und eine Hommage an den Utopisten.

Do 02.12. 18:00 Uhr
So 04.12. 18:00 Uhr

in Anwesenheit der Regisseurin Nathalie David

So 05.12. 20:45 Uhr