Das Programmkino im Prenzlauer Berg
Kastanienallee 77, Tel. 030 - 44 05 81 79
Zur Zeit finden im Lichtblick-Kino keine Veranstaltungen statt.

Filmreihe

Rosa pervers –
Werkschau Rosa von Praunheim

ab 28. April

Regisseur, Schwulenaktivist und Mentor für die jüngere Generation von Filmemachern, ist Rosa von Praunheim seit den 60er Jahren präsent. Im Februar dieses Jahres war er zum 24. Mal mit einem neuen Film auf der Berlinale, so oft wie kein anderer Regisseur. Im März erhielt er das Bundesverdienstkreuz. Und im April startet in den deutschen Kinos sein jüngster Film »Härte«. – Wir wollen zu dieser Gelegenheit einige Stationen seiner langen und fruchtbaren Karriere auf der Leinwand wiederentdecken.


Härte (OmeU)

D 2015, 89 min, Regie: Rosa von Praunheim, nach dem Buch »Härte: Mein Weg aus dem Teufelskreis der Gewalt« von Andreas Marquardt und Jürgen Lemke; mit Hanno Koffler, Andreas Marquardt, Luise Heyer, Marion Erdmann, Katy Karrenbauer, Rüdiger Götze, Ilse Amberger Bendin

»Härte« ist die wahre Geschichte des Spitzensportlers Andreas Marquardt, der zum brutalen Zuhälter wurde, acht Jahre im Knast verbüßte und durch eine Therapie seinen jahrelangen Missbrauch als Kind durch seine Mutter aufarbeitete und jetzt Charities für missbrauchte Kinder macht.

Erzählt wird die Geschichte von ihm und seiner Freundin Marion, die jahrelang als eine von vielen für ihn auf den Strich ging und als einzige bis heute zu ihm hält.

Do 30.04. 18:00 Uhr
Sa 02.05. 20:00 Uhr

in Anwesenheit des Regisseurs Rosa von Praunheim
und weiteren Gästen

So 03.05. 20:00 Uhr
Mo 04.05. 18:30 Uhr
Di 05.05. 20:00 Uhr
Mi 06.05. 20:00 Uhr
Do 07.05. 18:00 Uhr
Sa 09.05. 18:00 Uhr
Mi 13.05. 18:30 Uhr mit Vorfilm »Werner Schroeter«
Do 14.05. 18:00 Uhr
So 17.05. 18:30 Uhr
Mo 18.05. 19:00 Uhr
Mi 20.05. 22:30 Uhr

Die Bettwurst

BRD 1970, 80 min, Regie: Rosa von Praunheim, mit Luzi Kryn, Dietmar Kracht

Luzi und Dietmar lernen sich in der Hafenstadt Kiel kennen und lieben. Sie eine ältere, kleinbürgerliche Sekretärin, er ein junger Hilfsarbeiter aus Berlin. Beide spielen alle gutbürgerlichen Rituale durch, die sie durch Erziehung und Medien erlernt haben. Sie gehen zusammen in ein Ausflugslokal zum Tanz, sie zeigt ihm ihren Kleingarten und ihr Fotoalbum. Nach einer Liebesnacht hilft er ihr beim Staubsaugen. Sie feiern gemeinsam Weihnachten. Plötzlich treffen alte kriminelle Freunde von Dietmar ein und entführen Luzi, um Dietmar zu zwingen, wieder mit ihnen gemeinsame Sache zu machen. Im Stil einer Filmparodie erschießt Dietmar die Täter am Strand und flieht mit Luzi mittels eines kleinen Privatflugzeugs in eine ungewisse Zukunft.

Mi 29.04. 20:00 Uhr

Berliner Bettwurst

BRD 1973, 90 min, Regie: Rosa von Praunheim, mit Luzi Kryn, Dietmar Kracht

Luzi und Dietmar werden durch ein Ehe- und Einrichtungsdarlehen (in Höhe von 13.000 Mark) nach Berlin gelockt. Sie heiraten in der Gedächtniskirche und fahren mit der weißen Hochzeitskutsche zum Tanzcafe Resi in Neukölln, wo sie sich von Tischtelefonen und Wasserfarbspielen faszinieren lassen. Dietmar wirft sich nach der Arbeit (als Raumpfleger und Aktmodell) in den allerextremsten Freizeitdress. Dietmar und Luzi posieren an der Mauer vor dem Todeskreuz in der Bernauerstraße und vor leerstehenden Häusern im von Türken bevölkerten Kreuzberg.

Mi 29.04. 21:30 Uhr

Überleben in New York

D 1989, 90 min, Regie: Rosa von Praunheim

Drei deutsche Frauen, Claudia, Anna und Ulli kommen Anfang der 80er Jahre nach New York und versuchen in dieser Stadt, die ihre Bewohner wie hypnotisiert in ihren Bann zieht, Fuß zu fassen.

Claudia, die gemeinsam mit ihrem Freund nach New York gekommen ist, trennt sich alsbald von ihm und verliebt sich in eine Frau. Als sie vom Freund ihres Nachbarn in ihrem Apartment im East Village brutal vergewaltigt wird, kann sie sich mit letzter Kraft zum Lebensmittelladen an der Ecke schleppen, um Hilfe zu rufen. Die etwas naive Ulli aus Schwaben lebt mit ihrem Freund Ronnie zusammen, der im Drogenrausch seinen besten Freund in Notwehr erschlagen hat. Nur Anna, der dritten Hauptperson des Films ist nichts Dramatisches passiert. Sie hat nach ihrer Heirat mit einem schwarzen Modedesigner in einer Striptease-Bar wo sie auftrat, einen Richter kennengelernt, der ihr zuliebe seinen Beruf aufgab und ihr eine Stripteasebar kaufte, wo sie neben ihrem Job als Therapeutin in einer katholischen Schule ab und zu auftrat.

Sa 02.05. 22:30 Uhr

Nicht der Homosexuelle ist pervers,
sondern die Situation, in der er lebt

BRD 1971, 70 min, Regie: Rosa von Praunheim, mit Bernd Feuerhelm, Berryt Bohlen, Ernst Kuchling, Dietmar Kracht, Steven Adamczewski u. v. a.

Daniel, ein junger Mann aus der Provinz, kommt nach Berlin und trifft dort zufällig Clemens. Beide erleben die große Liebe. Sie ziehen zusammen und versuchen, die bürgerliche Ehe zu kopieren. Doch nach vier Monaten endet das große Glück. Daniel hat inzwischen einen älteren, reichen Mann kennengelernt und zieht mit ihm in dessen Villa.

Doch bald, bei einem Musikabend, betrügt ihn sein älterer Freund. Für ihn war Daniel nur ein Objekt. Daniel arbeitet jetzt in einem Homosexuellen-Café, kleidet sich nach der neuesten Mode und lernt schnell sich den Idealen der Subkultur anzupassen. Seine Freizeit verbringt er im Strandbad und lässt sich bewundern. Nachts geht er in Homosexuellen-Bars und wird immer abhängiger von dem ständig wechselnden sexuellen Abenteuer. Nach einiger Zeit entdeckt er den exotischen Reiz schwuler Parks und Toiletten. Er erlebt, wie ältere Homosexuelle von Rockern zusammengeschlagen werden. Schließlich landet er in einer Transvestitenkneipe, in der sich zu später Stunde alles trifft, was bis dahin keinen Partner gefunden hat. Hier trifft er Paul, der ihn in seine schwule Wohngemeinschaft mitnimmt. Die Gruppe diskutiert mit ihm seine Probleme. Sie macht ihm klar, dass er ein oberflächliches Leben führt. Seine Aufgabe als emanzipierter Schwuler ist es sich zu seinem Schwulsein zu bekennen, andere Inhalte zu schaffen als nur Mode und Sex. Man schlägt ihm vor, sich politisch zu organisieren und gemeinsam mit anderen Schwulen über menschliche Formen des Zusammenlebens nachzudenken.

»Ein militant marxistischer Aufruf für ein Ende der Schwulenunterdrückung.« (Vincent Canbys, New York Times)

So 03.05. 22:00 Uhr
Sa 09.05. 22:30 Uhr

Armee der Liebenden oder
Aufstand der Perversen (engl. OV)

BRD/USA 1979, 107 min, Regie: Rosa von Praunheim

Praunheim drehte über sieben Jahre hinweg (1972–76) eine Dokumentation über die Arbeit und die Zielsetzung der Homosexuellen-Emanzipationsbewegung in den USA, besonders in New York und San Francisco. Man schätzt circa 20 Millionen Homosexuelle in Amerika, von denen allerdings nur ein sehr kleiner Teil bereit ist, öffentlich für seine Rechte einzutreten. Trotzdem handelt es sich um eine Massenbewegung, die inzwischen eine der größten Bürgerrechtsbewegungen der USA ist. Im Gegensatz zu »Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation in der er lebt« will Praunheim in dieser Dokumentation konstruktive positve Beispiele der Schwulenbewegung zeigen.

Mo 04.05. 22:00 Uhr

Rote Liebe

BRD 1982, 85 min, Regie: Rosa von Praunheim, mit Helga Goetze, Sascha Hammer, Mark Eins

Zwei Frauen halten Zwiesprache, ohne daß ihr Leben gemeinsame Bezüge hat, ohne sich aufeinander zu beziehen. Helga Goetze, die ihr Glaubensbekenntnis von der sexuellen Befreiung ungeschminkt vor der Videokamera vorträgt. Alexandra Kollontai, Lenins Ministerin, deren Novelle »Wassilissa« Praunheim verfilmt und kontrapunktisch in das Interview einschneidet. Die Kommunistin Wassilissa befreit sich gewaltsam von ihrem Patriarchen und Helga Goetze verläßt nach 30 Jahren Ehe ihren Mann, befreit sich aus dem »sexuellen Knast«.

Di 05.05. 18:30 Uhr

Stadt der verlorenen Seelen – Berlin Blues (OmeU)

BRD 1983, 94 min, Regie: Rosa von Praunheim, mit Angie Stardust, Jayne County, Tara O’Hara, Garry Miller

Berlin ist die Stadt der verlorenen Seelen. Acht Sub-Showstars. Angie Stardusts Pension ist ihr Zuhause, das Burger-Queen-Restaurant ihr Broterwerb. Ausgeflippt tanzen, singen, strippen und lieben sie sich auf den Bühnen, die ihnen das Leben bietet. Zum Finale indes lehnt sich ein Schatten auf das Glück. Der Schnellimbiß wird augeraubt, Judith fällt vom Trapez und tanzt später im Rollstuhl. Leila weiß nicht, wie sie ihrem Vater sagen soll, daß sie ausgerechnet von einem Kommunisten schwanger ist. Gary, dem schönen Schwarzen, droht die Ausweisung. Loretta ist ohnehin untröstlich.

Di 28.04. 20:30 Uhr

in Anwesenheit des Regisseurs Rosa von Praunheim,
siehe auch EXBlicks (OmeU)

Mi 06.05. 22:00 Uhr

Meine Mütter – Spurensuche in Riga

D 2007, 87 min, Regie: Rosa von Praunheim

»Ich bin am 25. November 1942 in Riga, Lettland geboren und als Holger Mischwitzky in der Bundesrepublik Deutschland aufgewachsen.
Im Jahre 2000 offenbarte mir meine damals 94-jährigen Mutter, dass ich nicht ihr Sohn sei. Sie hätte mich in Riga während der deutschen Besatzung in einem Kinderheim gefunden. Mehr sagte sie nicht. Die Spurensuche nach meinen beiden Müttern in Riga ist meine persönliche Geschichte. Im Jahr 2003 verstarb meine Mutter. Zuerst wollte ich nicht nach meiner leiblichen Mutter forschen, da ich eine liebevolle und tolerante Mutter gehabt hatte. Erst später erwachte meine Neugier. Doch ohne meinen richtigen Familiennamen schien die Suche zwecklos. Durch einen lettischen Journalisten fand ich Agnese Luse, die im Staatlichen Archiv Lettlands Erstaunliches herausfand. Ebenso erstaunlich war es, dass ich in Berlin tatsächlich meine richtige Geburtsurkunde fand. Darin stand, dass ich 1942 im Zentralgefängnis in Riga zur Welt gekommen war. Die Suche nach meiner richtigen Mutter beginnt. Werde ich sie oder ihre Familie finden? Kann ich etwas über meinen Vater herausfinden? Ich entschließe mich, nach 63 Jahren nach Riga zu fliegen und mich selbst auf die Spuren meiner beiden Mütter zu machen. Diese Suche ist ein spannendes Stück deutscher und lettischer Zeitgeschichte.«
(Rosa von Praunheim)

So 10.05. 21:15 Uhr mit Vorfilm »Bin ich dein Onkel?«

New York Memories

D 2010, 89 min, Regie: Rosa von Praunheim

Rosa von Praunheims Erinnerungen an vierzig Jahre New York, der für ihn aufregendsten Stadt der Welt. Er berichtet von der schrillen Warhol-Zeit der 70er, vom Kampf gegen Aids in den 80ern, den hoffnungsvollen 90ern bis zum Schock des 11. September, der Wirtschaftskrise und neuen Träumen durch Barack Obama. Er trifft Anna und Claudia, die Stars seines Kinohits »Überleben in New York«, ist fasziniert von den jungen, hübschen Schwestern Lucie und Marie Pohl und von Isaac, der schon mit zwölf Jahren aller Welt verkündete, dass er kein Mädchen, sondern ein Junge sei. Es kommt zu Begegnungen mit schrillen und berühmten Persönlichkeiten wie Judith Malina und Klaus Pohl.

Mo 11.05. 20:15 Uhr mit Vorfilm »Von Auschwitz nach New York«

Ein Virus kennt keine Moral (OmeU)

BRD 1985/86, 82 min, Regie: Rosa von Praunheim

Ein reaktionärer Saunabesitzer, dessen Freund Theologie studiert und Bach-Chöre singt, eine Therapeutin, die Aidskranke Todesmeditation und -gymnastik lehrt, eine Reporterin, die sich als Mann verkleidet und die Gay- und Aids-Szene ausspioniert, eine Frau Professor Doktor Blut, die sich das Virus in Afrika einfängt, ein Minister mit falschen Versprechungen, reiche Tunten und schwule Revolutionäre sind die Hauptcharaktere des Films.

Di 12.05. 18:30 Uhr mit Vorfilm »Der härteste Türsteher Berlins«

Tally Brown, New York

USA 1977/78, 97 min, Regie: Rosa von Praunheim

Der Film dokumentiert das Leben des New Yorker Underground-Stars Tally Brown. Tally Brown singt »Heroes«, den David Bowie-Titel, und »Love in vain« (Rolling Stones). Auf ihren Wegen in Manhattan, in Las Vegas, in Miami erzählt sie von ihrer Karriere, von ihrem Entdecker Leonard Bernstein, von ihrer Mutter. Ihre Freunde, Stars des New Yorker Underground, werden vorgestellt; Holly Woodlawn singt »Dr. Jazz«. Vor der Skyline von Manhattan erklärt Tally Brown ihre Liebe für New York. Die Kamera setzt die Worte optisch um und drückt sich in einer Reihe von Zooms ein Hochhaus nach dem anderen an die Brust. In der abendlichen Dämmerstunde sorgt die große Reklametafel des Times Square für bunte anheimelnde Farben. In einem langen langsamen Schwenk taucht die Kamera in die Tiefe, vorbei an Pornokinos, Peepshows, Imbissständen, Passanten, Geschäftsleuten, Asozialen. In einer Nachtbar sieht man hinten, fern, klein und karg, einen Haufen schwarzer Kleider, hinter einem Mikrofon. Ein Klavier spielt. Tally Brown steht auf und singt mit ihrer Bluesstimme David Bowies »Heroes«.

Do 14.05. 19:30 Uhr mit Vorfilm »Berlin Frobenstraße«

Tote Schwule – Lebende Lesben (OmeU)

D 2008, 89 min, Regie: Rosa von Praunheim

»Tote Schwule – lebende Lesben« ist ein ungewöhnlicher Titel. Hier handelt es sich um Portraits von inzwischen verstorbenen Männern, Zeitzeugen der Nazizeit. Gegenübergestellt sind sehr vitale und starke Frauen, offen lesbisch.

Maren Kroymann, Kabarettistin, ist eine der wenigen prominenten Lesben und politisch engagiert. DJ Ipec ist Türkin, lebt in Berlin und will anderen türkischen Lesben Mut machen.

Manuela Kai ist Journalistin, gibt das Lesbenmagazin L-Mag heraus. Mahide Lein ist seit 30 Jahren aktiv als lesbische Kulturvermittlerin und sexuelle Provokateurin. Laura und Silke Radosh sind ein lesbisches Paar mit Baby. Sie wohnen in einem lesbischen Hausprojekt und gehen mit ihrem Baby in eine lesbische Krabbelgruppe.

Walter Schwarze war im KZ Sachsenhausen wegen seiner Homosexualität. Albrecht Becker im Gefängnis, aber er liebte den Knast, weil er Masochist ist. Joe Luga, bekannter Chansonnier, unterhielt an der Ostfront die Truppen unbeschadet in Frauenkleidern. Erst in den 60er Jahren kam er in Westdeutschland wegen seiner Homosexualität ins Gefängnis. Diese Portraits entstanden in den letzten 15 Jahren, alle Männer sind inzwischen verstorben.

Sa 16.05. 18:00 Uhr

zu Gast: Manuela Kay


Die Jungs vom Bahnhof Zoo

D 2011, 84 min, Regie: Rosa von Praunheim

In dem Dokumentarfilm »Die Jungs vom Bahnhof Zoo« werden spannende und authentische Lebensgeschichten von Strichern zusammengeführt, um das Phänomen »Männliche Prostitution« losgelöst von Klischees zu verdeutlichen. Im Mittelpunkt des Films stehen die Lebensgeschichten von fünf Strichern, drei von ihnen sind Roma.

Ionel begleiten wir mit der Kamera in sein Heimatdorf nach Rumänien, um zu zeigen, aus welchen Armutsverhältnissen Jungs wie er kommen. Nazif ist ein ehemaliger Bürgerkriegsflüchtling aus Bosnien, der als Kind nach Deutschland kam und schon als junger Stricher am Bahnhof Zoo harte Drogen konsumierte.

Der junge Rumäne Romica hat eine Familie gegründet, deren Existenzgrundlage lange die Prostitution war.

Unter den Strichern gibt es auch minderjährige Jungs, die früh von Pädosexuellen missbraucht wurden und später in die Stricherszene geraten sind. Daniel-Rene ist einer von ihnen. Als junger Erwachsener leidet er noch heute massiv an den Folgen seiner traumatischen Erfahrungen. Unsere Hauptfigur ist Daniel, der mit sechzehn seine »Stricherkarriere« am Bahnhof Zoo in Berlin begann. An seinem Beispiel wird sehr deutlich, welche sozialen Umstände einen Einstieg in die Stricherszene begünstigen.

Auch Straßensozialarbeiter, Wirte von Stricherkneipen und Freier wie der österreichische Schauspieler und Regisseur Peter Kern kommen in dem Dokumentarfilm zu Wort.

So 17.05. 20:00 Uhr mit den Vorfilmen »Bukarest Nordbahnhof« und »Berlin Callboys«

Unsere Leichen leben noch

BRD 1981, 90 min, Regie: Rosa von Praunheim

Keine zwei Wochen mehr bis zur Eröffnung der Foto-Ausstellung »Die Frau der dreißiger Jahre« in einer Berliner Galerie. Lotti Huber beherbergt vier Frauen, deren Lichtbildmaterial Exponat geworden ist. Die fünf Frauen, alle über sechzig, plaudern, erzählen aus dem Leben, trinken, kiffen, schlafen und werden von Rosa von Praunheim in einen grotesken Krimi verwickelt.

Als liebestoller Polizist läßt er die Hosen fallen. Doch schließlich wird er als Täter von fantasievollen Mordversuche entlarvt. Die Frauen, während des Films in Stimmung geraten, fallen am Ausstellungsabend über ihn her und stimmen ihr Kampflied an: »Wir sind vital und wild und klug und schön und sexy voller Glut … / Unsere Leichen leben noch, unsere Körper sind noch warm. / Unsere Leichen leben noch, tragen den Kopf nicht unterm Arm.«

Lotti Huber weiß mit ihren Augendeckeln zu klappern, daß einem warm ums Herz wird. Die Zimmer hat sie für Gäste individuell und exzentrisch ausstaffiert. Die Dekoration macht alle Geschichten möglich. Und doch sind die vielen fantastischen Geschichten, die wir im Film erzählt bekommen, die reine Wahrheit. Der Film ist eine Selbst-Ausstellung der Frauen, welche sichtlich am Leben sind. Lotti Huber ist Jüdin, war im KZ, kam nach Palästina, arbeitete in Kabaretts, heiratete mehrere britische Offiziere, wurde mit ihrem Lokal auf Zypern bekannt, übersetzt heute in Berlin Bücher, lebt vom Zimmervermieten, vom Handlesen und der Filmstatisterie.

Di 19.05. 18:30 Uhr

Ich bin meine eigene Frau (OmeU)

D 1992, 95 min, Regie: Rosa von Praunheim

Rosa von Praunheim porträtiert den bekannten Transvestiten aus der ehemaligen DDR Charlotte von Mahlsdorf in einer gelungenen Mischung aus Dokumentar- und Spielfilm. Charlottes Mutter ist schwach und anlehnungsbedürftig, die lesbische Tante ist die Einzige, die Charlotte Verständnis entgegenbringt. Als Charlotte, vom Vater gedemütigt und gequält, keinen anderen Ausweg mehr weiß, bringt sie ihn um.

Rosa von Praunheim erzählt mit diesem Dokumentar-Spielfilm die fast unglaubliche Lebensgeschichte eines warmherzigen, sanftmütigen Menschen, einer couragierten Außenseiterin, einer ewigen Kämpferin. Charlotte von Mahlsdorf, geb. 1928 als Lothar Berfelde, wächst während des Nationalsozialismus unter einem tyrannischen und gewalttätigen Vater auf, der Charlotte zu einem echten Soldaten machen will.

Di 19.05. 20:00 Uhr

zu Gast: Ichgola Androgyn


Rosas Welt: 70 Kurzfilme

Zu seinem 70. Geburtstag hat Rosa von Prauneim eine Reihe von 70 Kurzfilmen geschaffen.
Einige Filme aus dieser Reihe zeigen wir als Vorfilm zu ausgewählten Vorstellungen.

Eva Mattes
21 min, mit Eva Mattes
Eva Mattes ist meine Lieblingsschauspielerin.
Di., 05.05., 18:30 Uhr, als Vorfilm zu »Rote Liebe«

Bin ich dein Onkel?
17 min, mit Jutta Hensel
Eine lesbische Psychiaterin vermutet, dass ich ihr Onkel bin. Eine Spurensuche.
So., 10.05., 20:15 Uhr, als Vorfilm zu «Meine Mütter – Spurensuche in Riga«

Von Auschwitz nach New York
5 min, mit Esther Bauer
Esther Bauer aus Hamburg überlebte das KZ und lebt in New York.
Mo., 11.05., 20:15 Uhr, als Vorfilm zu »New York Memories«

Werner Schroeter
11 min, mit Werner Schroeter, Rosa von Praunheim
Werner Schroeters letztes Interview.
Mi., 13.05., 18:30 Uhr, als Vorfilm zu »Härte«

Der härteste Türsteher Berlins
12 min, mit Sven Marquardt, Frank Schäfer
Sven ist tätowiert und Türsteher im berühmtesten Club Europas, dem Berliner Berghain. Wenige wissen, dass er ein sehr begabter Fotograf ist.
Di., 12.05., 18:30 Uhr, als Vorfilm zu »Ein Virus kennt keine Moral«

Bukarest Nordbahnhof
5 min, Co-Regie: Markus Tiarks
Ein rumänischer Stricher erzählt sein Leben.
So., 17.05., 20:00 Uhr, als Vorfilm zu »Die Jungs vom Bahnhof Zoo«

Berlin Callboys
4 min 
Ein Portät von zwei männlichen Prostituierten.
So., 17.05., 20:00 Uhr, als Vorfilm zu »Die Jungs vom Bahnhof Zoo«

Berlin Frobenstraße
2 min
Bulgarische Transen in Berlin.
Do., 14.05., 19:30 Uhr, als Vorfilm zu »Tally Brown, New York«